
Scott O’Neil, der LIV-Boss, muss aktuell das Unmögliche möglich machen: Er versucht mit einem Lächeln eine drohende Finanzkatastrophe abzuwenden, während Berichte über ausbleibende Zahlungen und abgesagte Turniere die Runde machen. "Wir laufen nicht weg und wir verstecken uns nicht", posaunte er kürzlich auf dem Grün in Indianapolis. Eine Aussage, die mehr nach Durchhalteparole klingt als nach solidem Businessplan, denn LIV Golf steckt offenbar bis zum Hals in der Klemme.
Die Gerüchte, dass der saudische Public Investment Fund (PIF) im April das fortlaufende Backing nach anhaltenden Verlusten gekürzt hat, sind längst keine Flüsterpropaganda mehr. Das hat die Liga dazu gezwungen, händeringend nach Stabilität zu suchen. Es geht um nicht weniger als die Zukunft einer ganzen Tour, die mit Millionen angetreten ist, das Golf-Establishment aufzumischen. Jetzt scheint sie selbst ins Schwitzen zu kommen.
Die Schuldenfalle schnappt zu
Und das ist noch lange nicht alles. Klagen wegen unbezahlter Rechnungen stapeln sich. Fresh Tape Media fordert satte $1.23 Millionen für Produktionsarbeiten, Mobii Systems pocht auf $1.1 Millionen für Sendetechnologie. Selbst die Spieler warten auf ihr Geld: Charles Howell III plauderte diesen Monat aus, dass für das LIV New York event noch keine Prämien überwiesen wurden, und auch nach Trump Bedminster hingen wohl einige Golfer noch in der Warteschleife. Das riecht nicht nach dem Big Money, das man von LIV gewohnt war.
Kürzungen und das große Ganze
Die Liga reagiert mit radikalen Einschnitten. Das Team-Championship-Event in Michigan wurde gestrichen, und das Preisgeld für die Einzel-Meisterschaft in Indianapolis ist kleiner als ursprünglich geplant. O’Neil sprach von einer "sehr komprimierten Timeline", um einen neuen Hauptinvestor an Land zu ziehen. Und hier wird es brisant: Ohne die Zustimmung der Mehrheit der Spieler läuft da gar nichts.
Das Damoklesschwert eines Bankrotts schwebt bedrohlich über LIV Golf. Was als kühne Revolution begann, könnte in 2026 zu einem bitteren finanziellen Nachspiel werden. Die Einsätze sind hoch, die Nerven blank, und die Golfwelt blickt gespannt darauf, ob O'Neil den Ball noch aus dem Rough schlagen kann.


