
Nelly Korda hat im Solheim Cup endlich wieder eine Foursomes-Niederlage einstecken müssen, während Team Europa nach einer Zittersession eine wertvolle 7-5 Führung gegen die USA holt. Was für ein Tag!
Beim Stand von 4-4 schickte US-Captain Angela Stanford ihr Super-Duo Korda und Allisen Corpuz an den Start – ein echtes Power-Couple, das bis dato fünf Siege in Folge verbuchen konnte. Gegen die schwedische Paarung Maja Stark und Linn Grant ging es aufs Grün, und wie schon am Freitag erwischten die US-Favoritinnen einen wackeligen Start: Der erste Abschlag ging direkt flöten. Doch dieses Mal kam die Antwort nicht prompt. Nach einem verpassten Mid-Range-Putt auf Bahn sieben lagen die bis dahin ungeschlagenen Korda und Corpuz plötzlich mit zwei Löchern hinten. Dann zündete Stark den Turbo! Sie chipte von weit abseits des Grüns direkt ein für einen Eagle auf Bahn acht und sicherte Europa damit einen Drei-Loch-Vorsprung. Korda ließ auf der Neun den Ball am Loch vorbeischrammen, und plötzlich stand das Duo am Turn vor einem riesigen Berg: Vier Löcher zurück.
Doch die Amerikanerinnen hatten ihren ungeschlagenen Rekord nicht kampflos aufgegeben und holten sich die ersten beiden Löcher auf der Back Nine, um den Rückstand zu halbieren. Die Europäerinnen blieben jedoch standhaft und sicherten sich auf der 16 einen famosen 3&2-Sieg, als Stark einen Mid-Range-Putt einputtete und die tobende Menge in Ekstase versetzte. „Das ist das beste Gefühl überhaupt“, jubelte Stark. „Wenn wir keine Bogeys machen, sind wir echt schwer zu schlagen.“
Direkt dahinter sicherten sich Europas Leona Maguire und Esther Henseleit in einem Nervenkrimi gegen die US-Paarung Jennifer Kupcho und Rose Zhang einen knappen One-up-Sieg. Loch 18, alles all square: Zhang scheiterte am Ausweg aus dem Sandbunker und lieferte den Europäerinnen damit die goldene Chance, Loch und Match klarzumachen. Henseleit pitchte von außerhalb des Grüns mit einem genialen Move haarscharf an die Fahne und holte den Europäerinnen damit den entscheidenden Punkt. „Ich wollte ehrlich gesagt einfach nur den Ball treffen und nach vorne bringen. Da war etwas Glück dabei“, strahlte eine überglückliche Henseleit.
Im dritten Match schickte Europe-Captain Anna Nordqvist ihr fliegendes Rookie-Duo Mimi Rhodes und Nastasia Nadaud erneut auf den Kurs, um gegen Andrea Lee und Auston Kim anzutreten. Und die Debütantinnen zahlten das Vertrauen ihrer Captain mit einer weiteren nervenstarken Vorstellung zurück, holten einen 4&3-Sieg und schrieben damit Geschichte als erstes Rookie-Paar, das zwei Punkte im selben Solheim Cup verbuchen konnte. „Nach dem gestrigen Sieg fühlten wir uns richtig wohl. Wir haben sehr clever gespielt, viele Fairways und Grüns getroffen und uns unzählige Chancen erarbeitet“, so Nadaud. Die letzte Partie war dann ein Dämpfer: Europas Top-Duo Charley Hull und Lottie Woad – beide in den Top 10 der Welt – kassierte eine heftige 6&5-Klatsche von Alison Lee und Lauren Coughlin.
Schon vor dem Turnier war klar: Hier kann jeder gewinnen, die Teams sind einfach top aufgestellt. Das zeigte sich auch am Freitag, als sowohl die Foursomes- als auch die Fourball-Sessions zum ersten Mal in der Geschichte des Solheim Cups 2-2 unentschieden endeten. Die USA wollen den Pokal seit 2015 endlich wieder auf europäischem Boden gewinnen. Insgesamt führen sie die Serie mit 11-7 an. Am Sonntag kommt es dann zu den Singles – da geht’s um alles! Alle zwölf Spielerinnen treten an, um die entscheidenden Punkte zu holen, die den Gewinner küren. Die USA sind die Titelverteidiger und brauchen 14 Punkte, um den Cup zu behalten. Europa benötigt mindestens 14.5 Punkte, um die Trophäe zurückzuerobern.


