
Was für ein Paukenschlag im Golf-Business: LIV Golf hat in den USA Insolvenz angemeldet. Nur gut fünf Monate, nachdem der saudi-arabische Staatsfonds PIF seinen Rückzug als Hauptgeldgeber für Ende 2026 angekündigt hat, steht das 2022 als direkter Konkurrent zur PGA-Tour ins Leben gerufene Projekt vor einem Neuanfang – oder dem Ende? Geschätzte fünf Milliarden Dollar wurden in LIV gepumpt, um die Golfwelt aufzumischen. Jetzt soll der Insolvenzantrag die Zukunft sichern.
Scott O'Neil, der Geschäftsführer, gab sich am Dienstag kämpferisch: „Dieses Verfahren verschafft uns die Struktur und die Zeit, um eine wegweisende Transaktion voranzutreiben und das nächste Kapitel von LIV Golf aufzuschlagen.“ Erst vor vier Wochen hatte O'Neil vage einen neuen Geldgeber ins Spiel gebracht. Jetzt ist es offiziell: Die Investmentfirma BC Partners Credit ist am Start und hat eine Vereinbarung zur Unterstützung der Restrukturierung geschlossen. Für 2027 sind noch keine finalen Entscheidungen zum Turnierkalender bekannt, aber das Ziel ist klar: „Wir wollen es weiterentwickeln und verbessern.“ Ein nachhaltiges Geschäftsmodell mit engerer Spieler-Liga-Bindung, einem erweiterten Teilnehmerfeld auf 75 Spieler und der Einführung eines Cuts sollen her. Das klingt nach einer echten Frischzellenkur, um die Liga auf stabile Beine zu stellen.
Doch die große Frage, die über allem schwebt, ist die nach den Big Names: Bleiben Topstars wie Bryson DeChambeau und Jon Rahm wirklich an Bord? Das Unternehmen befindet sich eigenen Angaben zufolge weiterhin in Gesprächen mit den Profis, auch über eine Eigentümerstruktur, die die Interessen der Spieler mit dem langfristigen Erfolg der Liga in Einklang bringen soll. Die Gerüchteküche brodelt indes gewaltig. Mehrere LIV-Stars werden mit einer möglichen Rückkehr zur PGA-Tour in Verbindung gebracht, doch die PGA blockt ab – derzeit ist kein Weg zurück für abtrünnige Spieler geplant. LIV, das vor vier Jahren mit satten Prämien Superstars wie Dustin Johnson, Phil Mickelson, DeChambeau und unseren zweimaligen Major-Gewinner Martin Kaymer von der PGA-Tour abgeworben hatte, hat in den letzten Jahren für ordentlich Wirbel gesorgt. Die PGA schloss die LIV-Golfer damals knallhart von ihren Veranstaltungen aus. Dass die Vertreter Saudi-Arabiens Ende April den Rückzug des PIF zum Ende der Saison 2026 ankündigten, setzte dem Ganzen die Krone auf. Jetzt muss sich zeigen, ob LIV die Kurve kriegt und dieser Schritt die Liga wirklich rettet oder ob das nur die letzte Ehrenrunde war.


