
LIV Golf, die Liga, die den Sport mit Milliarden umgekrempelt und Gräben aufgerissen hat, hat am Dienstag offiziell Insolvenz angemeldet – ein Paukenschlag, der die Golfwelt bis ins Mark erschüttert. Der Antrag bei einem Gericht in New Jersey signalisiert den Willen zur Restrukturierung und eine Rückkehr in neuer Form, nachdem LIV bereits im Laufe dieses Jahres die finanzkräftigen saudischen Investoren verloren hat.
Die Dokumente malen allerdings ein düsteres Bild: LIV schuldet zwischen 500 Millionen und 1 Milliarde Dollar an geschätzten Verbindlichkeiten bei mindestens 1.000 Gläubigern. Und ja, da stehen auch Namen wie Bryson DeChambeau und Jon Rahm drauf. Wie es jetzt mit diesen Hochkarätern weitergeht? Absolut unklar. Die Jungs um DeChambeau stehen vor der Monster-Entscheidung: Bleiben sie der Tour in ihrer neuen Hülle treu oder ziehen sie vor Gericht, um die Millionen einzuklagen, die ihnen zustehen? LIV-CEO Scott O'Neil gibt sich tapfer und spricht von einem "Prozess, der uns die Struktur und Zeit gibt, eine bahnbrechende Transaktion anzustreben und das nächste Kapitel von LIV Golf aufzuschlagen." Nächstes Jahr soll LIV in neuer Form zurückkehren, mit einem "innovativen, spielerorientierten Besitzermodell". Konkrete Entscheidungen zum Kalender 2027 oder einzelnen Events? Fehlanzeige – noch nicht.
Dass die Insolvenz am Start ist, kam für Insider nicht überraschend. LIV hatte bereits Anfang September den Großteil der Mitarbeiter vor die Tür gesetzt und im August die finale Team-Championship gecancelt, nachdem der Geldhahn des Public Investment Fund (PIF) aus Saudi-Arabien zugedreht wurde. Seit dem Start von LIV im Jahr 2022 hatte der PIF geschätzte 5 Milliarden Dollar in die Tour gepumpt, bevor sie plötzlich den Stecker zogen. Ein kleiner Trostpflaster: Der PIF schießt jetzt noch einen Kredit von knapp 50 Millionen Dollar für die Insolvenz- und Reorganisationsprozesse vor.
Die Top-Stars Rahm, DeChambeau und Dustin Johnson haben die größten ungesicherten Forderungen gegen die Tour – über 5 Millionen Dollar jeweils an fälligen Zahlungen, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Und das sind nur die fälligen Summen! Die Gesamtverträge gehen noch in die zig Millionen für einige dieser Jungs, wie die Financial Times von Insidern erfahren haben will. Im Statement vom Dienstag hieß es, man sei weiterhin in "fortgeschrittenen Gesprächen" mit den Spielern, um eine "Besitzerstruktur zu schaffen, die die Interessen der Spieler mit dem langfristigen Erfolg der Liga in Einklang bringt". Die Spieler sollen direkt am Wert beteiligt werden, den sie miterschaffen, so O'Neil in einem offenen Brief an die Fans. Eine Anfrage der AFP blieb bislang unbeantwortet.
Die Tour-Verantwortlichen haben aber schon zuvor eine "LIV 2.0"-Version in Aussicht gestellt – mit neuen Investoren, kürzerem Spielplan und reduziertem Preisgeld für die kommende Saison. Am Dienstag wurden dann weitere Details bekannt, die richtig Bock machen könnten. LIV will weiter auf fünf Kontinenten abschlagen: Australien, Südafrika, Mexiko, England, Hongkong und die USA sind am Start. Der Plan: Das Teilnehmerfeld auf 75 Spieler erweitern, einen Cut einführen und zusätzliche Wege, wie Monday Qualifiers, schaffen, damit sich Spieler den Weg auf die LIV-Tour erkämpfen können. Der Fokus soll weiter auf junge Fans liegen: Live-Musik und Team-Wettbewerbe, die "nationale Identitäten aufgreifen und auf der Leidenschaft und dem Momentum von World Cup-ähnlichen Wettbewerben aufbauen".
Ob dieser ambitionierte Plan aufgeht, hängt jedoch massiv davon ab, ob Top-Stars wie DeChambeau und Rahm dabei bleiben. Gerüchte, dass etliche LIV-Stars zur PGA Tour zurückkehren könnten, machen die Runde – auch wenn die PGA Tour derzeit keinen Rückweg für die LIV-Abtrünnigen in Aussicht stellt. Selbst Fünffach-Major-Sieger Brooks Koepka, der dieses Jahr zur PGA zurück ist, steht noch als Gläubiger in den Insolvenzunterlagen: 1,7 Millionen Dollar stehen ihm zu. Das Dokument vom Dienstag bestätigte auch: Für die Restrukturierung hat sich LIV mit der britischen Investmentgruppe BC Partners zusammengetan – lange Zeit als mysteriöser "Lead Investor" gehandelt. LIV Golf strebt zudem die Anerkennung des US-Insolvenzantrags in England und Wales an, um auch die globalen Vermögenswerte von 100 bis 500 Millionen Dollar abzusichern.


